Du hast dich monatelang auf diesen Moment vorbereitet, und nun ist es endlich so weit: Deine Geburt hat begonnen. Doch was tust du, wenn die Stunden vergehen und es einfach nicht voranzugehen scheint? Eine lange Geburt kann sowohl körperlich als auch emotional herausfordernd sein. In diesem Artikel erfährst du, was du tun kannst, wenn deine Geburt sich in die Länge zieht, und wie du trotzdem eine positive Geburtserfahrung haben kannst.
Was ist eine lange Geburt?
Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, was überhaupt als lange Geburt gilt. In der Regel spricht man von einer verzögerten Geburt, wenn sie beim ersten Kind länger als 18 Stunden und bei weiteren Kindern mehr als zwölf Stunden dauert. Allerdings ist jede Geburt individuell, und diese Zeitangaben sind nur Richtwerte. Es ist völlig normal, dass einige Geburten länger dauern als andere.
Gründe für eine lange Geburt
Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Geburt länger dauern kann:
- Position des Babys: Manchmal liegt das Baby in einer ungünstigen Position, was den Geburtsvorgang verlangsamen kann.
- Beckengröße: Ein enges Becken kann den Geburtsfortschritt behindern.
- Wehenschwäche: Wenn die Wehen nicht stark oder regelmäßig genug sind, kann sich die Geburt in die Länge ziehen.
- Erschöpfung: Eine lange Geburt kann sehr ermüdend sein, was wiederum den Fortschritt verlangsamen kann.
- Stress und Angst: Psychische Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen und den Geburtsprozess beeinflussen.
Was du bei einer langen Geburt tun kannst
Bewegung und Positionswechsel
Auch wenn du dich müde fühlst, kann Bewegung während der Geburt sehr hilfreich sein. Versuche, verschiedene Positionen auszuprobieren:
- Aufrecht stehen oder gehen
- Auf allen Vieren
- Sitzen auf einem Geburtsball
- Seitenlage
Bewegung kann helfen, die Wehen zu intensivieren und das Baby in eine günstigere Position zu bringen. Höre auf deinen Körper und wechsle die Positionen, wenn es sich für dich richtig anfühlt.
Entspannungstechniken nutzen
In deinem Geburtsvorbereitungskurs hast du wahrscheinlich verschiedene Entspannungstechniken gelernt. Jetzt ist der Moment, sie anzuwenden:
- Atemübungen: Konzentriere dich auf deine Atmung. Tiefe, langsame Atemzüge können dir helfen, ruhig zu bleiben und Schmerzen besser zu bewältigen.
- Visualisierungen: Stelle dir einen ruhigen, friedlichen Ort vor oder visualisiere, wie dein Baby durch den Geburtskanal gleitet.
- Affirmationen: Positive Bestätigungen wie "Ich bin stark" oder "Mein Körper weiß, was zu tun ist" können sehr kraftvoll sein.
- Massage: Bitte deinen Partner oder deine Hebamme um eine sanfte Massage, besonders im unteren Rückenbereich.
Unterstützung annehmen
Du musst das nicht alleine durchstehen. Nutze die Unterstützung, die dir zur Verfügung steht:
- Dein Geburtspartner: Ob es dein Partner, eine Freundin oder ein Familienmitglied ist – lass sie dir helfen, dich zu ermutigen und für dich da zu sein.
- Deine Hebamme: Sie ist deine Expertin und kann dir wertvolle Tipps geben, wie du mit der Situation umgehen kannst.
- Doula: Wenn du eine Doula engagiert hast, kann sie dir zusätzliche emotionale und physische Unterstützung bieten.
Energie tanken
Eine lange Geburt kann sehr erschöpfend sein. Versuche, zwischen den Wehen zu ruhen und Energie zu tanken:
- Nimm leichte Snacks zu dir, wenn du Hunger hast
- Trinke regelmäßig Wasser oder isotonische Getränke
- Nutze die Pausen zwischen den Wehen, um dich auszuruhen
Schmerzlinderung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Schmerzlinderung, die du in Betracht ziehen kannst:
- Wassergeburt oder Dusche: Wasser kann sehr entspannend wirken und Schmerzen lindern.
- TENS-Gerät: Dieses Gerät sendet kleine elektrische Impulse und kann Schmerzen reduzieren.
- Wärme: Wärmflaschen oder warme Kompressen können Verspannungen lösen.
- Medikamentöse Schmerzlinderung: Sprich mit deiner Hebamme oder deinem Arzt über Optionen wie Lachgas oder eine PDA, wenn du das Gefühl hast, dass du zusätzliche Unterstützung brauchst.
Medizinische Interventionen
In einigen Fällen können medizinische Interventionen notwendig sein, um die Geburt voranzubringen:
Wehenmittel
Wenn deine Wehen zu schwach oder unregelmäßig sind, kann dein Arzt oder deine Hebamme die Gabe von Wehenmitteln vorschlagen. Das am häufigsten verwendete Medikament ist Oxytocin, das über eine Infusion verabreicht wird. Es kann die Wehen verstärken und regelmäßiger machen.
Künstlicher Blasensprung
Manchmal kann das künstliche Öffnen der Fruchtblase (Amniotomie) den Geburtsvorgang beschleunigen. Dies wird von deiner Hebamme oder deinem Arzt durchgeführt und ist in der Regel schmerzlos.
Kaiserschnitt
In seltenen Fällen, wenn die Geburt trotz aller Bemühungen nicht vorangeht oder wenn es Anzeichen für Komplikationen gibt, kann ein Kaiserschnitt notwendig werden. Dies ist eine wichtige Option, um die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten.
Mentale Vorbereitung und positive Einstellung
Eine lange Geburt kann mental sehr herausfordernd sein. Hier sind einige Tipps, wie du dich darauf vorbereiten und eine positive Einstellung bewahren kannst:
Informiere dich im Voraus
Wissen ist Macht. Je mehr du über den Geburtsprozess weißt, desto besser kannst du dich auf verschiedene Szenarien vorbereiten. Ein guter Geburtsvorbereitungskurs kann dir dabei helfen, dich umfassend zu informieren.
Übe Achtsamkeit und Akzeptanz
Versuche, im Moment zu bleiben und jede Wehe einzeln anzunehmen. Konzentriere dich auf deinen Atem und dein Baby. Akzeptiere, dass jede Geburt ihren eigenen Rhythmus hat.
Visualisiere den Erfolg
Stelle dir vor, wie du dein Baby schließlich in den Armen hältst. Diese positive Visualisierung kann dir Kraft geben, wenn du das Gefühl hast, dass deine Energie nachlässt.
Kommuniziere deine Bedürfnisse
Zögere nicht, deinem Geburtsteam mitzuteilen, was du brauchst. Ob es sich um eine bestimmte Position, Schmerzlinderung oder einfach nur Ermutigung handelt – deine Bedürfnisse sind wichtig.
Nachsorge und Erholung
Nach einer langen Geburt ist es besonders wichtig, dass du dir Zeit für die Erholung nimmst. Hier einige Tipps:
- Ruhe: Gönne dir und deinem Baby viel Ruhe in den ersten Tagen nach der Geburt.
- Unterstützung: Nimm Hilfe von Familie und Freunden an, besonders bei Haushaltsaufgaben und der Versorgung älterer Kinder.
- Körperpflege: Achte besonders auf deine Körperpflege, vor allem wenn du einen Dammschnitt oder -riss hattest.
- Gespräche: Sprich über deine Geburtserfahrung mit deinem Partner, deiner Hebamme oder einer Freundin. Das kann helfen, das Erlebte zu verarbeiten.
Fazit
Eine lange Geburt kann eine Herausforderung sein, aber mit der richtigen Vorbereitung, Unterstützung und Einstellung kannst du sie meistern. Denk daran: Jede Geburt ist einzigartig, und am Ende wartet die wunderbare Belohnung – dein Baby in deinen Armen zu halten. Vertraue auf deinen Körper, dein Geburtsteam und deine innere Stärke. Du schaffst das!