Geburt nach Kaiserschnitt: Ist eine natürliche Geburt möglich?

Geburt nach Kaiserschnitt: Ist eine natürliche Geburt möglich?

Du hast bereits ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und bist nun erneut schwanger? Vielleicht fragst du dich, ob eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt überhaupt möglich ist. Die gute Nachricht: In vielen Fällen ist eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt durchaus eine Option. Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, was du über dieses Thema wissen solltest.

Was bedeutet VBAC?

VBAC steht für "vaginal birth after cesarian", also eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt. Lange Zeit galt die Regel "Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt". Doch diese Annahme ist mittlerweile überholt. Viele Frauen bringen ihr Baby trotz vorausgegangenem Kaiserschnitt auf natürlichem Weg zur Welt.

Vorteile einer natürlichen Geburt nach Kaiserschnitt

Eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt bietet einige Vorteile:

  1. Du vermeidest eine erneute Bauchoperation.
  2. Der Blutverlust ist in der Regel geringer als bei einem Kaiserschnitt.
  3. Das Risiko für Infektionen und Thrombosen sinkt.
  4. Die Erholungsphase nach der Geburt ist meist kürzer.
  5. Das Bonding zwischen dir und deinem Baby wird gefördert.
  6. Dein Baby hat seltener Anpassungsprobleme nach der Geburt.

Viele Frauen wünschen sich nach einem Kaiserschnitt eine natürliche Geburt, weil sie die vorangegangene Schnittentbindung als nicht optimal empfunden haben. Eine vaginale Geburt kann in solchen Fällen sogar eine heilsame Erfahrung sein.

Wann ist eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt möglich?

Ob eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt für dich in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  1. Frühere erfolgreiche VBACs: Hattest du bereits eine erfolgreiche vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt, stehen die Chancen gut, dass es auch dieses Mal klappt.

  2. Problemlose Schwangerschaft: Verläuft deine aktuelle Schwangerschaft normal und geht es deinem Baby gut, ist das eine wichtige Voraussetzung für eine natürliche Geburt.

  3. Grund des vorangegangenen Kaiserschnitts: War der Grund für den letzten Kaiserschnitt zum Beispiel eine Zwillingsschwangerschaft oder eine Beckenendlage, könnte diese Schwangerschaft ganz anders verlaufen.

  4. Zustand der Kaiserschnittnarbe: Eine gut verheilte Narbe ist wichtig, um das Risiko eines Gebärmutterrisses zu minimieren. Idealerweise sollte die letzte Geburt mindestens ein Jahr zurückliegen.

Wann ist eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt eher nicht möglich?

Es gibt Situationen, in denen von einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt abgeraten wird:

  1. Dünne Narbe: Wenn im Ultraschall erkennbar ist, dass die Narbe sehr dünn ist, wird oft zu einem erneuten Kaiserschnitt geraten.

  2. Kurzer Abstand zur letzten Geburt: Liegt der letzte Kaiserschnitt weniger als ein Jahr zurück, geht man davon aus, dass die Narbe möglicherweise nicht ausreichend verheilt ist.

  3. Art des vorherigen Schnitts: Bei einem Längsschnitt bei der vorangegangenen Sectio ist eine vaginale Geburt wahrscheinlich nicht möglich, da die Gefahr eines Gebärmutterrisses zu hoch ist.

Was sagen die Experten?

Laut einer europäischen Studie namens OptiBIRTH wird in Ländern wie den Niederlanden, Schweden und Finnland etwa jede zweite Geburt nach einem Kaiserschnitt als natürliche Geburt durchgeführt. In Deutschland liegt diese Rate bei etwa 30%. Experten glauben jedoch, dass es möglich ist, diese Rate auf 40% zu erhöhen.

Prof. Dr. phil. Mechthild Groß, Hebamme an der Medizinischen Hochschule Hannover, betont: "Wenn Mutter und Baby gesund sind und die Mutter sich fit fühlt, wenn das Narbengewebe fest ist, wenn mit der Plazenta alles in Ordnung ist, ist eine natürliche Geburt möglich. Und wir denken, dass das häufiger der Fall ist als in der Geburtsmedizin bisher angenommen wird."

Risiken und Bedenken

Natürlich gibt es auch Risiken, die bei einer VBAC berücksichtigt werden müssen. Das Hauptrisiko ist eine mögliche Gebärmutterruptur, also ein Riss der Gebärmutter an der Narbe des vorherigen Kaiserschnitts. Dieses Risiko ist zwar gering, muss aber ernst genommen werden.

Andere mögliche Komplikationen sind:

  • Infektionen
  • Verletzungen
  • Hoher Blutverlust

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Risiken auch bei einem erneuten Kaiserschnitt bestehen können. Tatsächlich steigen die Risiken bei multiplen Kaiserschnitten mit jedem Eingriff an.

Vorbereitung auf eine VBAC

Wenn du dich für eine VBAC entscheidest, gibt es einige Dinge, die du beachten solltest:

  1. Sprich mit deinem Arzt oder deiner Hebamme: Diskutiere deine Optionen und Risiken ausführlich.

  2. Wähle eine geeignete Geburtsklinik: Suche dir eine Klinik, die Erfahrung mit VBACs hat und diese unterstützt.

  3. Informiere dich: Lese Fachliteratur und tausche dich mit anderen Frauen aus, die eine VBAC erlebt haben.

  4. Bereite dich mental vor: Eine positive Einstellung kann den Geburtsverlauf positiv beeinflussen.

  5. Bleib flexibel: Auch wenn du eine VBAC planst, sei offen für die Möglichkeit eines erneuten Kaiserschnitts, falls medizinisch notwendig.

Die Entscheidung liegt bei dir

Letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen eine VBAC eine sehr persönliche. Es ist wichtig, dass du dich umfassend informierst und mit deinem medizinischen Team besprichst. Jede Schwangerschaft und jede Geburt ist einzigartig, und was für die eine Frau richtig ist, muss nicht für die andere gelten.

Denk daran: Das Wichtigste ist, dass du und dein Baby gesund und sicher durch die Geburt kommen. Ob das durch eine VBAC oder einen erneuten Kaiserschnitt geschieht, ist zweitrangig. Vertraue auf dein Gefühl und die Expertise deiner Ärzte und Hebammen.

Eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt ist in vielen Fällen möglich und kann eine wunderbare Erfahrung sein. Mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung kannst du selbstbewusst in die Geburt gehen, egal welchen Weg dein Körper und dein Baby letztendlich wählen.

Denk immer daran: Du bist stark, du bist mutig, und du wirst die richtige Entscheidung für dich und dein Baby treffen. Vertraue auf deine Intuition und die Weisheit deines Körpers. Deine Geburtsgeschichte ist einzigartig, genau wie du und dein Baby. Embrace it!